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Adventskonzert 2007

Veröffentlicht: 04.03.2011

Johann Sebastian Bachs h-moll Messe ist die Krönung seines geistlichen Chorwerks.
Der Schweizer Verleger Hans Georg Nägeli bezeichnete sie als das „größte musikalische Kunstwerk aller Zeiten und Völker".
1733 komponierte Bach eine „Missa Brevis" bestehend aus Kyrie und Gloria. Er reichte die „Musique" beim Dresdner Hof ein, weil er sich Hoffnungen auf den Titel eines „Hof-Compositeurs" machte. Bach war offensichtlich mit seiner Stellung als Thomaskantor unzufrieden und versprach sich durch die Ernennung zum „Hof-Compositeur" eine bessere Position bei Verhandlungen mit den Leipziger Vorgesetzten. Erst 1749, ein Jahr vor seinem Tode, ergänzte Bach die kleine Messe durch Credo, Sanctus und Agnus Dei zur vollständigen h-moll Messe. Diese Teile sind Neukompositionen oder Umarbeitungen bereits vorhandener Kantaten-Sätze. Der älteste Teil der h-moll Messe ist das Sanctus, es entstand 1724 für die Weihnachtsmesse in der Leipziger Thomaskirche.
Das „Gratias" ist als vierstimmige Fuge konzipiert, majestätisch schreitet das Thema im Alla-Breve-Takt. Das geheimnisvoll flehende „Qui tollis" ist eine Umarbeitung des Chores „Schauet doch und sehet ob irgend ein Schmerz sei" (aus BWV 46). In prächtigem D-Dur strahlen die Trompeten des „Cum sancto spiritu" begleitet von Pauken und voller Besetzung. Im „Credo" werden die fünf Chorstimmen durch zwei Violinen zur siebenstimmigen Fuge ergänzt, der Chor singt sein Glaubenskenntnis über einer ständig wiederkehrenden ab und auf wandernden Basslinie. Das „Et expecto" entstand als Umarbeitung des Eingangschores „Jauchzet, ihr erfreuten Stimmen" aus der Ratswahlkantate BWV 120. Ein triumphaler Chor, begleitet von Pauken und Trompeten, singt von der Auferstehung der Toten und dem ewigen Leben. Das zweiteilige „Sanctus" ergreift die Zuhörer mit heiliger Musik: Der erste Teil wurde von Bach im homophonen Stil vertont, der zweite Teil „pleni sunt coeli" als Fuge komponiert. Im „Dona nobis pacem" parodiert Bach sich selbst: Er verwendet dieselbe Musik wie im vorausgegangenen „Gratias".

 

Mozarts Sinfonie Nr. 41 C-Dur, KV 551, trägt den Beinamen „Jupiter". So wie Jupiter über die römischen Götter herrscht, thront Mozarts letzte Sinfonie über allen andern. Sie entstand innerhalb von nur zwei Monaten im Sommer 1788. Strahlend beginnt die Sinfonie unisono in C-Dur, im zweiten Satz (Andante cantabile) wechseln sich gedämpfte Streicher und Holzbläser in der Melodieführung ab, das Menuett lebt durch ein chromatisch gearbeitetes Thema, im Trio klingt schon das Kopfmotiv des Finales an. Im Finalsatz offenbart sich Mozarts ganze Meisterschaft, die klassische Sonatenform wird mit barocken Kompositionstechniken überlagert. Peter Tschaikowski schrieb über Mozarts Meisterwerk: "Die Jupiter-Sinfonie gehört zu den Wundern sinfonischer Musik, besonders wegen ihres Finales, in dem das polyphone Genie des großen Meisters, der die Fähigkeit besaß, aus geringfügigem Material gewaltige Gebäude zu errichten, sich in all seiner unfassbaren Kraft äußert. Bemerkenswert ist, dass sich Mozart bei den kompliziertesten kontrapunktischen Kombinationen, bei der umfangreichsten sinfonischen Themenverarbeitung und dem unerschöpflichen Reichtum einander abwechselnder Kontrastwirkungen in dieser Sinfonie mit einer so bescheidenen Orchesterbesetzung begnügt."

 

Ludwig van Beethoven komponierte sein Klavierkonzert Nr. 4 op. 58 in den Jahren 1804-1807. Er stand auf dem Höhepunkt seines kompositorischen Schaffens: Zur selben Zeit entstanden Meisterwerke wie das Violinkonzert (op.61), Waldsteinsonate (op. 53.), Appassionata (op. 57.) oder die Sinfonien Nr. 3-6.
Im G-Dur Klavierkonzert zeigt sich Beethoven als Romantiker. Der erste Satz beginnt mit einem kurzen lyrischen Klaviersolo, das Orchester antwortet mit einer langen Exposition, erst später erhält der Solist Gelegenheit mit Trillern, Läufen und Akkorden zu glänzen. Der zweite Satz steht in e-moll und wurde laut Beethovens Schüler Carl Czerny durch die Sage von Orfeus und Euridice inspiriert: Düstere Streicher im Unisono symbolisieren die dunklen Mächte, der Klaviersolist (Orfeus) versucht sie durch zarte Klavierpassagen zu besänftigen. Auch im lebhaften dritten Satz (Rondo, vivace) findet Beethoven noch Zeit für poetische Elemente.

 


(04.03.2011)